Als der edna-Bundesverband im Herbst 2013 sein erstes Kamingespräch ausrichtete, schien das Thema „Blackout – Deutschland nach der Wahl“ zwar politisch zugespitzt, aber fachlich auch durchaus passend.[1]
Im Jahr zuvor nämlich, 2012, hatte Marc Elsberg seinen Roman „Blackout“ vorgelegt, in dem er ein erschreckend realistisches Szenario großflächiger und zudem langanhaltender Stromausfälle in Mitteleuropa darlegt. Eine ähnliche, aber räumlich auf Frankfurt und das Umland begrenzte Dystopie beschrieb Peter Schwindt schon in seinem Thriller „Schwarzfall“, der 2010 veröffentlicht worden war.[2]
Und schließlich waren es Thomas Petermann, damals Gast im 2013er edna-Kamingespräch, und seine Co-Autoren des Büros für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) beim Deutschen Bundestag, die schon 2011 auf über 230 Seiten eine Studie darüber vorlegten „Was bei einem Blackout geschieht“.[3] Darin detailliert beschrieben werden die „Folgen eines langandauernden und großräumigen Stromausfalls“. Damit sollten beispielsweise auch Anhaltspunkte für eine Einschätzung geliefert werden, „wie Deutschland auf eine solche Großschadenslage vorbereitet ist.“ Schließlich kann ein großflächiger Stromausfall zu tiefgreifenden, rasch eskalierenden Störungen nahezu aller Lebensbereiche führen, worauf sich Politik und Verwaltung einzustellen haben.
Eine kleinere „Großschadenslage“, als die von Marc Elsberg entwickelte, für die Betroffenen aber nicht minder verheerende, war jüngst der Blackout im Berliner Südwesten. Dessen Folgen entsprechen dem Praxisfall für die oben zitierte Studie. Der Berliner Blackout entspricht in dem dort definierten Modell der „Phase IV für Stromausfälle von über 24 Stunden“ – und kam völlig unerwartet. Denn die Zuverlässigkeit der Stromversorgung der Bundesrepublik Deutschland ist sehr gut, oder – um den FNN zu zitieren: „Deutschland verfügt über eines der zuverlässigsten Stromnetze in Europa.“[4]

Dabei gilt gleichzeitig, und die oben zitierten Quellen machen davon Gebrauch, dass diese Sicherheit zunehmend schwindet und bedroht wird:
- Stabile konventionelle Erzeugung wird durch volatile Erneuerbare ersetzt
- Cyberangriffe sind ein tägliches Erlebnis im Betrieb der kritischen Infrastruktur
- Extreme Wetterlagen nehmen zu und selbst Sabotage oder Terroranschläge sind mittlerweile immer einzukalkulieren
Selbst robuste Systeme können also an ihre Belastungsgrenzen geraten. Und „genau genommen befinden wir uns in einem Sicherheits-Dilemma: Aufgrund der hohen Sicherheit unseres Energiesystems treffen wir unzureichend Vorsorge für dessen Versagen.“[5]
Die Erwartungshaltung der Bevölkerung bleibt deswegen wohl auch unverändert hoch. Denn immer noch gilt das energie-politische Zieldreieck, nach dem elektrische Energie nicht nur umweltverträglich und wirtschaftlich, sondern auch versorgungssicher sein soll. Schließlich ist der Strom aus der Steckdose ein wesentliches Element der öffentlichen Daseinsvorsorge – und des privaten Wohlbefindens. Anders gesagt: Erst recht im Schadensfall soll der Staat jederzeit handlungsfähig sein und umfassende Hilfe leisten; so die Erwartung.
Doch macht die Diskrepanz zwischen Risiken und Erwartungen wohl ein neues Verständnis eben dieser Verantwortung notwendig. Die öffentliche Daseinsvorsorge muss notwendiger Weise ergänzt werden durch eine individuelle Daseinsvorsorge. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Sicherheits- und Resilienzpolitik und stärkt die Handlungsfähigkeit der Bevölkerung, entlastet staatliche Strukturen in Akutphasen und erhöht die gesamtgesellschaftliche Widerstandsfähigkeit.
So sind auch die Hinweise des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zu verstehen.[6] Dort heißt es unter anderem: „Vorsorge kann helfen, extreme Situationen besser zu bewältigen:
- Sie wissen, was zu tun ist, und können dadurch ruhiger bleiben.
- Sie können sich und andere versorgen, bis Hilfe eintrifft.
- Sie entlasten Rettungskräfte. Die können dann Menschen unterstützen, die sich nicht selbst helfen können.“
[1] Siehe https://edna-bundesverband.de/news/sensibilitaet-fuer-sichere-stromversorgung-hat-zugenommen/
[2] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzfall
[3] Siehe https://www.tab-beim-bundestag.de/news-2011-07-05-was-bei-einem-blackout-geschieht.php
[4] VDE/FNN vom 15. Oktober 2025: „Im Jahr 2024 war jeder Haushalt im Durchschnitt zu ca. 99,998 Prozent mit Strom versorgt. Nur 12,9 Minuten pro Kunde betrug die durchschnittliche Strom-Unterbrechungsdauer.“ – Dieser Quelle entnommen ist auch die hier verwendete Grafik.
[5] Siehe Schutztechnik, 14.10.2020: „Kann die Versorgungssicherheit überhaupt eine Aussage über die Blackout-Wahrscheinlichkeit treffen?“
[6] BBK: https://www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Vorsorge/Ratgeber-Checkliste/ratgeber-checkliste_node.html
